Mittwoch, 17. Februar 2016

Lucy fliegt

von Petra Piuk


Kremayr-Scheriau -- Februar 2016 -- 19,90 / 14,99 -- HC/ EBook -- 192 Seiten 
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  Dieser Debütroman war für mich sehr überraschend und der Inhalt völlig unerwartet. 
Cover und Inhaltsangabe versprechen eine spritzige Unterhaltung, vielleicht humorvoll? Vielleicht ein Abenteuer?
Auch wenn es sich dann doch als was ganz anderes entpuppte, waren die Vermutungen gar nicht so falsch. 

Wir begleiten in dem recht kurzem Buch von 192 Seiten, eine junge Österreicherin auf einem Flug und dürfen dabei einen Blick in Ihre Psyche und ihr Leben werfen. 
Geschrieben wurde das Buch aus der Perspektive von Lucy, die eigentlich Linda heißt, indem wir ihren Gedanken lauschen dürfen, unterbrochen nur zeitweise von kurzen Dialogen mit weiteren Flugpassagieren. 

Kapitel werden nicht direkt unterschieden, jedoch ein neuer Abschnitt durch eine "Stimme aus dem Off" gekennzeichnet, die bissig und wissend ein Urteil über Lucy/Linda im kommenden Abschnitt fällt.

"Lucy,23, träumt ihr Leben. Lebt ihren Traum, wollten wir natürlich sagen. Lucy lebt ihren Traum. Träumt ihr Leben, so ein Schwachsinn. Immer diese Versprecher." [S.152]

Das Buch beginnt sehr humorvoll, ironisch, jedoch auch etwas holprig, denn wer vollständig ausformulierte Sätze schätzt, der sucht sie in diesem Buch vergeblich. Auch wenn mir dies nicht so ganz zusagte, da es meinen Lesefluss störrte, gehört es zu dem Gesamtbild der Protagonistin das mit diesem Roman gezeichnet wird. 
Das Lachen wird jedoch von Abschnitt zu Abschnitt verhaltener, den Lucy lässt uns bei ihren Gedankenkreiseln, an Erinnerungen an die Kindheit Jugend und letzten Wochen Teilhaben.

Petra Piuk hat es auf sehr ungewöhnliche Weise und mithilfe ihrer Dokusoap-Erfahrungen geschafft, uns an der Psyche und dem Werdegang einer jungen Frau teilhaben zu lassen und dem Leser das Grinsen im Gesicht gefrieren zu lassen.
 
"Da war nichts so wie bei Pretty Woman, sag ich euch, gar nichts war da wie bei Pretty Woman" [S.103]

Aber das Buch kann noch mehr! Es ist eine Kritik an unserem TV-Konsumverhalten, an unseren Wertevorstellungen und sogar an der Bildungspolitik.
 So wenig Seiten es auch sind, sie haben sehr viel Inhalt zu bieten und ich kann dieses Buch jedem Empfehlen der Interesse an der Psyche des Menschen hat, offen für experimentellere Schreibstile ist und inhaltsschwere Themen nicht scheut. 


 

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